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Archiv 2015

Bodybuilding im Dienst der Ernährung

12. Dezember 2015, Ostholsteiner Zeitung, Text und Fotos Hans-Jürgen Schekahn

Landwirtschaftsfamilie spendet jahrhundertealten Holzpflug an die Lütjenburger Turmhügelburg

Keiner weiß, wieso der hölzerne Pflug die vergangenen 200 oder 300 Jahre unversehrt überstehen konnte. Die Familie von Gertrud Rönnfeldt übergab das historische Arbeitsgerät an den Förderverein Turmhügelburg in Lütjenburg. Dessen Vorsitzender Hartmut Eller ist begeistert. Der Pflug stamme zwar nicht aus dem Mittelalter, sehe aber genau so aus wie die Modelle, die man vor dem Jahr 1500 verwendete.
Die Landwirtschaftsfamilie Rönnfeldt bewirtschaftet seit Jahrhunderten Äcker und Felder in Wentorf (Gemeinde Klamp). Gertrud Rönnfeldt kann sich heute nicht mehr erklären, wie der Holzpflug, obwohl außer Dienst, nicht als Brennholz endete. Er dürfte all die Zeit irgendwo trocken in einer Scheune oder auf einem Boden gestanden haben. Das Eichenholz jedenfalls zeigt keine morschen Stellen. Anfang der 60er-Jahre wurde er als Leihgabe an die Landwirtschaftsschule in Preetz ausgeliehen, von wo er nach der Schließung der Einrichtung etwa 1995 auf den Hof der Rönnfeldts zurückkehrte und erneut einen sicheren Platz fand. Gertrud Rönnfeldt fragte bei verschiedenen Museen nach, ob man dort das gute Stück haben wollte. Alle lehnten ab. Nun freut sie sich, mit der Turmhügelburg einen Platz in der Region gefunden zu haben.


Dietrich Petter, früher Lehrer der Landwirtschaftsschule, vermittelte die erneute Leihgabe an die Turmhügelburg. Er kennt den Pflug gut, der einst im Obergeschoss der Schule in Preetz stand. Vor ihm versammelten sich die Schüler, wenn sie sich kurz vor ihrer Prüfung gedanklich vorbereiteten. Er war der angesagte Treffpunkt an den Prüfungstagen. Petter ist Experte in Sachen historischer Geräte. Der Pflug aus Wentorf ist ein sehr einfaches Modell ohne Räder und mit nur einem Holm, um ihn zu führen. Ein Gerät armer Bauern. Erst 1840 wurden in Schleswig-Holstein Pflüge mit zwei Holmen eingesetzt. Der Pflug stammt demnach frühestens aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Es war ein mühsames Arbeiten mit diesem Modell, wie Petter vorrechnet. Bei einer Schrittgeschwindigkeit des Bauern von 2,5 Stundenkilometern und einem zehnstündigen Arbeitstag, schaffte er nur eine Fläche von etwa 5000 Quadratmetern. Dabei legte der frühere Landmann zu Fuß eine Strecke von 25 Kilometern zurück. Erschwerend kam hinzu, dass keine Räder eingesetzt wurden. Der Bauer musste durch Drücken oder Heben des Holms ständig die richtige Tiefe des Pfluges im Boden einstellen. Bodybuilding im Dienst der Ernährung.
Hartmut Eller von der Turmhügelburg will den Pflug zum Anlass nehmen, im Wirtschaftsgebäude eine kleine Ausstellung zur mittelalterlichen Landwirtschaft einzurichten. Der historische Pflug in dem beleuchteten Glaskasten (gestiftet von Klaus Dygutsch) ist dabei der Mittelpunkt.

TSV Lütjenburg

Auch die 1. Mannschaft vom TSV Lütjenburg fühlt sich an der Turmhügelburg sichtlich wohl. (Fotos M. Weilandt)

Spendenübergabe während der "Mittelalterey"

Am Sonnabend, dem 11. Juli, durfte sich der Turmhügelburg-Verein während des großen Mittelalterlagers "Mittelalterey" gleich über zwei hoch willkommene Geldspenden freuen. Die Förde Sparkasse überreichte durch ihren Regionaldirektor Lütjenburg, Herrn Christoph Bruhn, einen Betrag in Höhe von € 3.000,00 als zweckgebundenen Zuschuss für die Neubeschaffung eines Rasentreckers (Ersatz für den im Oktober 2014 gestohlenen Trecker).
Der Rotary-Club im Kreis Plön übergab durch seinen amtierenden Präsidenten, Herrn Holger Muhs, einen Scheck über € 1.000,00, zweckgebunden für die Beschaffung von Bögen und Pfeilen für die Jugendarbeit im Verein an Alexander Krücke als Verantwortlichen. Das Vereins- und auch Rotary-Mitglied Bernd Oldewurtel hatte diese Spende initiiert. Der Vorsitzende des Fördervereins der Burg, Hartmut Eller, und der Schatzmeister, Matthias Ehmke, bedankten sich im Namen der Burg herzlich bei den Spendern für diese wertvolle finanzielle Hilfe!
Ein Ständchen der Musikgruppe Tri Scurria rundete diese Übergabe ab.

Die Predigt traf "mitten in´s Herz"…

Redaktion/Text: Petra Gramkow, inpuncto werbung / hein´s magazin Ausgabe Juli 2015

Der Turmhügelburg - Verein und die Ev.- Luth. Kirchengemeinde Lütjenburg luden im Juni dieses Jahres zum Gottesdienst der besonderen Art ein. Ca. 70 Menschen waren gekommen, um dem Gottesdienst von Bischof Gothart Magaard beizuwohnen.
Eigentlich wollte man die Feier im Freien an der Vicelin-Kapelle der Turmhügelburg begehen, doch leider war an diesem Tag das Wetter unbeständig, windig und kalt. Die fleißigen Helfer der Burg hatten jedoch schon vorgesorgt und das große Wirtschaftsgebäude der Burg wunderhübsch zurechtgemacht. Viele schöne Blumen, Kerzen und andere Dekoration machten die Räumlichkeiten richtig heimelig und so war es kein Wunder, dass alle mit weitem Herzen den nahe gehenden Worten Gothart Magaards lauschten. Viele waren in historische Gewänder gekleidet, was der Vesper eine besondere Note verlieh. Die Klänge, welche Kantor Ralf Popken dem Nachbau eines mittelalterlichen Dudelsacks entlockte, sowie die herrliche Musik des St.- Michaelis-Bläserchores rundeten den Gottesdienst ab. Alles passte wunderbar zusammen und man bekam einen Eindruck, wie es wohl vor hunderten von Jahren ähnlich zugegangen sein könnte.


Die Anwesenden öffneten nicht nur ihre Herzen, sondern auch ihre Geldbörsen. Bei der Kollekte kamen somit ca. 180,00 €uro zusammen, die einem guten Zweck zugeführt werden sollten. Diese Summe nahm mit Freude die Evangelische Jugend der St- Michaelis Kirchengemeinde Lütjenburg entgegen. Sie möchten damit ein Projekt in Rumänien unterstützen, was ihnen allen seit langen Jahren sehr am Herzen liegt: Jugendliche und Erwachsene aus dem Kirchenkreis begleiten dort das Kinderheim "Stern der Hoffnung". Hier und auch im gesamten Umkreis Alba Julias herrschen wirklich katastrophale Lebensumstände, aus denen sich die dort ansässigen Menschen nicht alleine befreien können (Wir berichteten bereits mehrfach im hein´s magazin). Vier junge Mädchen gaben Interessierten nach dem Gottesdienst gerne Auskunft zu ihrem Projekt.
Auch bestand die Möglichkeit zu einem allgemeinen, zwanglosen Gespräch bei Speis' und Trank, was viele der Besucher sehr gerne wahrnahmen. Mehr als eine Stunde saß man bei selbstgemachten Bärlauchbutter- und Griebenschmalzstullen im netten, erbaulichem Gespräch zusammen. Nach Worten des 1. Vorsitzenden des Turmhügelburg-Vereins, Hartmut Eller, waren dabei unter den Getränken wegen der mehr "herbstlichen" Außen- Temperaturen nicht gekühlte Flüssigkeiten, sondern heißer Glühwein und Punsch der "Renner".

Ereignisreiche Mitgliederversammlung der Gesellschaft der Freunde der mittelalterlichen Burg in Lütjenburg e.V.

Redaktion/Text: Petra Gramkow, inpuncto werbung / hein´s magazin Ausgabe Juni 2015

Der Vorstand der Gesellschaft der Freunde der mittelalterlichen Burg in Lütjenburg e.V. lud für den 12. Mai zur Mitgliederversammlung ein. Viele waren daraufhin gekommen, um sich diesen informativen und ereignisreichen Abend nicht entgehen zu lassen. So freute man sich gleich zu Anfang der Veranstaltung über ein Grußwort von Bürgermeister Dirk Sohn mit der Zusage, den Verein von Seiten der Stadt Lütjenburg noch mehr zu unterstützen.Dem 1. Vorsitzenden Hartmut Eller und seinem Team kommt das sehr recht, denn das vergangene Jahr gestaltete sich schwierig: "Der schwere Diebstahl von teuren Gerätschaften traf uns sehr und mit der Schließung der Fleischerei Lütje mussten wir uns auch um einen neuen Beköstigungsstand - sowohl mittelalterlich als auch "neuzeitlich" - bemühen", informierte der 1. Vorsitzende die Anwesenden. "Zudem stehen uns seit 2015 erstmals keine "1-Euro-Jobber" mehr zur Verfügung. Wir bezahlen nun unsere dringend benötigten festangestellten Mitarbeiter pro Stunde mit 8,50 Euro, dem gesetzlichen Mindestlohn. Das ist hart für uns, denn so mussten die Arbeitsstunden reduziert werden, was eine Veränderung unserer Öffnungszeiten nach sich zog. Die Burganlage ist jetzt von Dienstag bis Sonntag von 11 bis 17 Uhr zu besichtigen. Montags bleibt sie geschlossen."
Eller schaute aber auch auf erbauliche Ereignisse zurück und kündigte neue an: "Die vielen Veranstaltungen in der Burganlage konnten dank des guten Wetters und einer großen Zahl an Besuchern sämtlich positiv abgeschlossen werden. Auch das Jahr 2015 wird wieder ein volles Programm bieten. Neben unseren großen Lagern erleben wir am 19. Juni einen Freiluftgottesdienst an der Vicelinkapelle der Burg mit Bischof Gothart Magaard, dessen Wirkungsbereich den Sprengel Schleswig und Holstein mit der Predigtstätte im Schleswiger Dom umfasst. Am 22. August werden uns dann wieder Deutschlands bester und mehrfach preisgekrönter Minnesänger Holger Schäfer gemeinsam mit dem Kantor der Lütjenburger St. Michaeliskirche, Ralf Popken, mit musikalischen Minne- und Liebeswonnen betören."
Auf über mehr als 300 Führungen in der Burganlage kann der Verein stolz sein. Der Vorsitzende dankte allen Führern für ihr Engagement! Ein besonderer Dank ging an die Koordinatorin dieser Aktionen, Frau Mandy Baer. Zudem konnte man mit den hochinteressanten Vorträgen im Winterhalbjahr einen immer größer werdenden Erfolg verbuchen. Hierzu reisten Dozenten aus dem norddeutschen Bereich bis Göttingen an. Teilweise wurden bei diesen Veranstaltungen bis zu 100 Zuhörer gezählt. Auch die Mitgliederzahlen entwickelten sich höchst erfreulich. Die laufende Nummer der Liste zeigt 419 und das ist für diesen relativ neuen und kleinen Verein schon sehr ansehnlich. Bemerkenswert waren auch die Arbeiten an der Burg: Der Fußweg zum Parkplatz wurde erneuert und ein Knick wurde neu angelegt. Die Finanzierung trugen die Preetzer Baufirma Schwalbe und die Stadt Lütjenburg. Den Stopfzaun samt vielen anderen kleinen und großen Instandsetzungen auf dem Gelände richteten "Bodendieks Pioniere". Großes Lob erfuhr auch der Kalender, der von Heinrich Ripke seit zwei Jahren mit herrlichen Fotos bestückt wird und der auch in diesem Jahr in einer noch höheren Auflage als zuvor erhältlich sein wird. Die Presse wurde ebenfalls für ihre Berichterstattung hervorgehoben.
Über die Finanzierung der Burg berichtete Eller: "Der jährliche Haushalt ohne Baumaßnahmen beträgt derzeit ca. 85.000 Euro. Davon entfallen auf Personalkosten rund 15.000 Euro und auf Werbemaßnahmen 10.000 bis 12.000 Euro. Da wir unser Eintrittsgeld für Besucher nicht erhöhen wollen, ist stets eine genaue Kalkulation erforderlich. Große Sprünge sind da für uns nicht drin." Hartmut Eller bedankte sich ganz herzlich bei all den Unterstützern und Förderern der Burg, insbesondere auch bei Schatzmeister Heinrich Ripke für seine sehr gute Kassen- und Buchführung, die mit dazu beigetragen hat, für die nächsten drei Jahre vom Finanzamt Kiel Nord wieder einen Freistellungsauftrag zu erhalten.


Dann standen Neuwahlen an. Die Aufgaben des stellvertretenden Vorsitzes übernimmt nun Mandy Baer, Schatzmeister wurde Matthias Ehmke, als neue Beisitzer fungieren jetzt Norbert Spieß, der sich u.a. um die Reiterei "Bodendieks Schildknappen" kümmert, Jens Lütje, Alexander Krücke und Heinrich Ripke zugleich als stellvertretender Schatzmeister. In ihren Posten verbleiben wie gehabt Hartmut Eller als 1. Vorsitzender, Thomas Grebien als Schriftführer, Kai Rösick als Beisitzer, Norbert Sieben als Beisitzer.
Nach den Wahlen würdigte der Vorsitzende Hartmut Eller mit der Übergabe einer schönen Flasche Wein mit dem Etikett "Burg Lütjenburg" die ausscheidenden Vorstandsmitglieder: Dr. Sigurd Zillmann, der von Anfang an mit dabei, Gründungsmitglied, Ideengeber und Burgführer war. Detlev Loch hat sich mit viel Ideen und Gedanken eingebracht. Er war ein wertvoller Helfer als ehemaliger Schatzmeister, als Organisator der Getränkestände und des Ritterfrühstücks. Bernd Oldewurtel war seit 2013 im Verein tätig. Er fungierte im letzten Jahr als stellvertretender Vorsitzender und Leiter von "Bodendieks Pionieren". Zudem kümmerte er sich um kleinere Arbeiten an der Burg und das Marketing der Burg über "facebook - Museum Turmhügelburg Lütjenburg". Alle ausgeschiedenen Vorstandsmitglieder bleiben jedoch dem Verein treu, sie werden sich weiterhin in unterschiedlichen Funktionen für die Burg einbringen.
Auch Klaus Dygutsch, der vor vielen Jahren für den Bau der Burg den Stein ins Rollen brachte, schied aus dem Vorstand aus. Er möchte in Zukunft aus gesundheitlichen Gründen etwas kürzer treten. Dygutsch steht in einer ganz besonderen Beziehung zur Turmhügelburg im Nienthal bei Lütjenburg: Schon als Kind und Jugendlicher war er immer sehr an Geschichte interessiert. So kam es, dass er ca. vor 15-16 Jahren zusammen mit Herrn Röhlk von der Preetzer Lebenshilfe das Thema "Turmhügelburgen" aufgriff. Dieses Faible hat den heutigen Seniorchef eines Bauunternehmens seither nicht mehr losgelassen und so wurde er zu einem der Gründerväter der Burgenidee und zum Mitinitiator für die Vereinsgründung. Seither ist er ein ständiger Motor und Ideengeber in Sachen Lütjenburger Turmhügelburg. Lange Jahre war er für den Verein Schatzmeister, Planer, Baumeister und Koordinator mit dem Archäologischen Landesamt. Seine Baufirma Schwalbe aus Preetz war bei europaweiten Ausschreibungen, die durch das städtische Bauamt ausgewertet wurden, stets der günstigste Anbieter. Da war kein Verdienst für ihn angesagt. Das allein zeigt schon, dass er ein großer Förderer der Burg war und ist. Diese besonderen Leistungen um die Burg und das Bemühen um die größtmögliche Authentizität der Anlage sind im Oktober 2006 mit der Verleihung der goldenen Schaufel des archäologischen Landesamtes belohnt worden, das ist eine der größten Auszeichnungen, die es für einen derartigen Einsatz gibt. Seit langen Jahren ist Klaus Dygutsch auch Mitglied im Deutschen Burgenverein. Auch Klaus Dygutsch geht der Gesellschaft der Freunde der mittelalterlichen Burg in Lütjenburg e.V. nicht verloren, denn er wird der Burg weiterhin als fachkundiger Planer und Baumeister zur Seite stehen.
Um das herausragende Engagement von Klaus Dygutsch zu würdigen, wurde er durch Vorstandsbeschluss zum ersten "Patron" der Burg ernannt. Klaus Dygutsch kann somit an allen Vorstandssitzungen beratend, jedoch ohne Stimmrecht, teilnehmen.
In seinen kurzen Dankesworten verwies Klaus Dygutsch auf die von ihm gegründete "Schleswig-Holsteinische Burgenstiftung", aus der auch die Turmhügelburg in Zukunft Unterstützung erfahren wird.
Zum Ausklang der Jahreshauptversammlung stellte der erste "Patron" bildlich die weiteren Planungs- und Bauphasen der Burg vor. So, wie das Museumgebäude einmal aussehen könnte. Ein Bildervortrag von Heinrich Ripke rundete den Abend ab.
Zum Schluss sei anzumerken, dass auch Hartmut Eller ein besonderes Jubiläum feiern konnte. Für seine 10-jährige Tätigkeit als Vorsitzender des Vereins und für seinen stetigen Einsatz zum Wohle der Burg erhielt er dafür von Heinrich Ripke einen wunderbar anzusehenden Bildband mit Fotos der Burganlage im Nienthal.

Mit Gebrüll in die Arena

18. Mai 2015, Ostholsteiner Zeitung, Text und Foto Hans-Jürgen Schekahn

Gladiatorenkämpfe im Römerlager

Wenn Kampfrichter André Tippner alias Taurus mit seiner gewaltigen Stimme losbrüllt, dann sind alle Zuschauer auf einen Schlag hellwach: "Gladiatores ad arenam" (lateinisch: Gladiatoren in die Arena). Und gleich stapfen sechs römische Kämpfer auf das Schlachtfeld neben der Lütjenburger Turmhügelburg. Nach einer halben Stunde Schaukampf wissen die Besucher: Ein Gladiatorenleben vor 1800 Jahren währte länger als angenommen. Und die Schwert- und Dreizackträger heutiger Zeit dürfen sich nicht sicher sein, heil aus der Arena zu steigen.
Alex Kulisch nennt sich Cerberus, wenn er zum Gladiatorenkampf geht. Das macht er an diesem Wochenende auf dem großen Römerlager in Lütjenburg, das parallel zum Mittelalterlager aufgebaut ist. Der Ergotherapeut tritt in der Kluft eines Retiarius auf, der mit einem Netz, kurzem Schwert und einem Armschutz bewaffnet ist. Der Gegner heißt in diesem Fall Daniel Rosenblender. Der nennt sich zwar nur Pullus (Hühnchen), ist aber als Provokator mit Großschild und Schwert deutlich im Vorteil. Nach dem Kommando "Pugnate" (Kämpft) bekommt Cerberus ein ums andere Mal das Schwert seines Gegners zu schmecken, der im Zivilberuf Vertriebsingenieur ist. Am Ende bittet Taurus die über 100 Zuschauer um die Entscheidung. Soll Cerberus leben oder sterben? Da die meisten Menschen "Vitam" rufen, bleibt er verschont.
Es war auch früher eher die Regel, dass die Gladiatoren lebendig blieben, weiß Taurus alias André Tippner. Gladiatoren waren Profi-Sportler, deren einjährige Ausbildung und Verpflegung viel Geld kostete. Nicht, dass die Römer etwas gegen Blut und Tod gehabt hätten, aber die Wirtschaftlichkeitging vor. "Man stelle sich einmal vor, der FC Bayern München verliert das erste Saisonspiel in der Bundesliga und alle Spieler würden hingerichtet. Das kann sich keiner leisten", erklärt er dem Publikum. Nur etwa bei jedem zehnten Kampf kam damals ein Gladiator ums Leben.
Die Hobby-Kämpfer gehen nicht zimperlich miteinander um. Die Schwerter klatschen auf die Schilde. Das Hauen und Stechen endet erst nach einem Körpertreffer. Der ist nicht immer harmlos. Ein Teil eines Dreizacks rutscht im letzten Kampf des Tages durch eine kleine Helmöffnung, durch die ein Provokator schaut. Auch wenn die Spitzen mit runden Teilen entschärft sind, gibt es eine Platzwunde über dem Auge, die ziemlich blutet. Doch der Kämpfer zieht lächelnd mit Blutstropfen auf der Brust an seinem Publikum vorbei. Auch heutige Gladiatoren sind offenbar hart im Nehmen.

Würdigung für den "Patron"

15. Mai 2015, Ostholsteiner Zeitung, Text und Foto Hans-Jürgen Schekahn

Klaus Dygutsch wurde zum Ehrenmitglied ernannt

Die Freunde der mittelalterlichen Burg in Lütjenburg würdigen ihren langjährigen Förderer und den Baumeister der Turmhügelburg, Klaus Dygutsch, mit der Ehrenmitgliedschaft. Und weil die Gruppe größten Wert auf Authentizität legt, lautet der Titel offiziell dafür Patron. Dygutsch gehörte vor 16 Jahren zu den Gründervätern des Vereins. Der Preetzer ist Senior-Chef der Baufirma Schwalbe, die sämtliche mittelalterlichen Gebäude der Anlage errichtete.
"Du bist der Motor und Ideengeber gewesen", lobte der Vorsitzende des Fördervereins, Hartmut Eller, das allererste Ehrenmitglied der Gruppe auf der Jahresversammlung. Wie detailgetreu und mit Liebe zu alten Techniken der "Burgenfanatiker" Dygutsch das kleine Mittelalterdorf in Lütjenburg errichten ließ, beweist auch eine andere Auszeichnung: Das Archäologische Landesamt verlieh ihm 2006 als Anerkennung für seine Arbeit die Goldene Schaufel für seine Planungen. Dygutsch half dem Förderverein seit Beginn auch mit großzügigen Spenden. Er hat nun eine Stiftung gegründet, die später einmal auch der Turmhügelburg neben anderen gemeinnützigen Einrichtungen ein Stückchen finanzielle Sicherheit geben soll. Den Mitgliedern auf der Jahresversammlung versicherte er: "Wenn es einmal nicht reicht, werde ich helfen."
Im Vorstand des Fördervereins klafften durch Rücktritte und altersbedingtes Ausscheiden einige Lücken, die geschlossen werden mussten. Neue stellvertretende Vorsitzende wurde Mandy Baer. Zum neuen Schatzmeister wählte die Versammlung Matthias Ehmke, nachdem sein Vorgänger Heinrich Ripke den Platz eines Beisitzers im Vorstand einnahm. Weitere Beisitzer, die das einstimmige Vertrauen erhielten: Norbert Spieß, Jens Lütje und Alexander Krücke.
Das Verhältnis zwischen der Stadt Lütjenburg und dem Förderverein gestaltete sich in der Vergangenheit nicht immer spannungsfrei. Bürgermeister Dirk Sohn berichtete in seinen Grußworten von einer Reihe von Gesprächen zwischen dem Vorstand und der Rathausspitze. "Wir kommen nun besser zueinander", urteilte er über die derzeitige Stimmung. Die Turmhügelburg sei ein Aushängeschild Lütjenburgs. Er stellte auch die finanzielle Unterstützung der Stadt für die Unterhaltung der mittelalterlichen Anlagen in Aussicht. "Dafür werden wir eine Lösung finden."
Die übrige Bilanz des Vereinsjahres: Über 300 Führungen durch die Turmhügelburg. Eine leicht steigende Mitgliederzahl von nunmehr 370. Und eine hohe Auslastung der Gebäude durch Mittelaltergruppen außerhalb der großen Lager und Treffen von derzeit 70 Prozent der Saison.

Zahn der Zeit nagt an Gebäuden

27. April 2015, Ostholsteiner Zeitung, Text und Foto Hans-Jürgen Schekahn

Plastik ist auf der Lütjenburger Turmhügelburg eigentlich streng verpönt. Das gab es schließlich im Mittelalter nicht. Doch um den Verfall einer Wand aufzuhalten, muss die stabile blaue Plane her. Die Pflege und Unterhaltung der Lehmgebäude ist heute so mühsam und zeitintensiv wie vor 1000 Jahren. Die Freunde der mittelalterlichen Burg bereiten die Häuser und Anlagen derzeit für die neue Saison vor.
Die Wetterseite der Schmiede hat es besonders hart erwischt. Der Regen und der Wind ließen den Lehm bis auf das Astgeflecht in der Wand abbröckeln. Die einzelnen Gefache müssen neu verputzt werden. Aber wie den Lehm haltbar machen, dass der Regen ihm nichts anhaben kann? Bernd Oldewurtel, stellvertretender Vorsitzender des Fördervereins, lässt mit Quark experimentieren, aus dem eine dünne Paste angemischt werden soll. Sie wird auf den Lehm als eine Art Schutzschicht aufgetragen. Ein teurer Spaß, weil der Quark nicht aus dem Supermarkt kommt, sondern aus schonend behandelter Milch stammen muss. Sonst funktioniert es mit der wasserabweisenden Wirkung nicht.
Die Vergänglichkeit nagt auch an der Turmhügelburg selbst. Im vergangenen Jahr erhielt sie ein Betonfundament, weil die tragenden Balken verrottet waren. Ein ganz natürlicher Vorgang und kein Baumangel. Bernd Oldewurtel: "Im Mittelalter fielen die Türme nach zehn oder 15 Jahren um." Doch damals schlug man ein paar neue Eichenstämme und baute das Verteidigungswerk einfach neu auf. Das kann sich der Lütjenburger Verein allerdings nicht leisten – zu teuer. Deshalb akzeptierten die Freunde der Burg schließlich den Beton, der nicht sichtbar ist, auch wenn sie ansonsten höchsten Wert auf die Authentizität der Anlagen legen.
Wasser und Feuchtigkeit sind die größten Feinde des Holzes. Probleme gibt es damit auch auf der Rückseite des Wirtschaftsgebäudes. Eine Regenrinne aus Holz wollen die freiwilligen Helfer an der Dachkante installieren. Die Dächer mit den Schindeln sind zwar ständig der Witterung ausgesetzt, aber sie gehören erstaunlicherweise zu den langlebigsten Bauteilen auf dem Mittelalter-Gelände. Oldewurtel hat in den USA Schindeldächer gesehen, die über 100 Jahre alt waren und immer noch den Regen sicher abhielten.
Rund 5000 Arbeitsstunden steckten die Helfer im vergangenen Jahr in den Erhalt der Gebäude, damit die über 40000 Besucher jedes Jahr einen Abstecher ins Mittelalter machen können. Dieses Jahr dürften es nicht weniger Einsätze der Helfer werden. Neidisch schauen die Lütjenburger zu einer befreundeten Burganlage in Bayern. Der dortige Verein erhält großzügige Zuschüsse seitens der öffentlichen Hand. Vielleicht hilft der Turmhügelburg ja auch mal ein finanzstarker Sponsor aus der Wirtschaft...

"Land unter" an der Turmhügelburg

Redaktion/Text: Petra Gramkow hein´s magazin - Ausgabe Februar 2015

Sah man sich im Januar das Gelände rund um die Turmhügelburg bei Lütjenburg an, stellte man fest, dass sich hier zur idyllischen Seenlandschaft des Kreises Plön noch einige Gewässer mehr dazu gesellt hatten. An vielen Stellen hieß es "Land unter". Das sich um den Wehrturm herum ein Wassergraben befindet, weiß jeder, aber die durch ständigen Regen überschwemmten Wiesen und Koppeln machten die mittelalterliche Anlage fast insgesamt zur "Wasserburg".


Burgherr Graf Eberhard von Bodendiek, Hartmut Eller, ist darüber nicht besonders erschrocken: "Der Burganlage insgesamt hat der viele Regen nicht sonderlich mehr ausgemacht als sonst. Innen ist nichts nass geworden. Nur die Wetterseite der Schmiede wurde wegen des kurzen Dachvorstandes etwas stärker unter Mitleidenschaft gezogen. Der Putz aus Lehm und Muschelkalk löste sich in großen Teilen aus dem hölzernen Fachwerk und das ist nun ausbesserungsbedürftig. Es soll eine Methode geben, indem man Lehm in Verbindung mit Kasein (Milchprotein als Bindemittel) härten kann. Das haben wir bisher noch nicht ausprobiert. Es besteht auch die Überlegung, die Wand mit Brettern zu verkleiden."


Der Burgherr erzählt weiter: "Im gesamten Burgbereich stehen im Frühjahr, ähnlich wie es im Mittelalter auch gewesen sein muss, in jedem Frühjahr Instandsetzungen an. Wir warten damit bis nach der Frostperiode, dann werden all unsere fleißigen Helfer wieder aktiv."

"Das Abenteuer Reisen im Mittelalter"

Die "Gesellschaft der Freunde der mittelalterlichen Burg in Lütjenburg e.V." setzt ihre Vortragsreihe "Lütjenburger Vorträge zur Archäologie und Geschichte" im Februar mit einem weiteren Vortrag fort.

Am 12. Februar 2015 um 19:30 Uhr
in der Gaststätte "Lüttje Burg", Lütjenburg, Markt 20
hält Dr. Donat Wehner, MA Institut für Ur- und Frühgeschichte, CAU Kiel
einen Vortrag über
"Das Abenteuer Reisen im Mittelalter"

Die räumliche Mobilität von Menschen über weite Entfernungen ist ein maßgeblicher Faktor heutiger Gesellschaftsordnung – wir leben in einer Mobilitätsgesellschaft. Bei entsprechender Finanzierung erlauben Automobil-, Flug-, Schienen- und Schiffverkehr an nahezu jeden Ort der Erde innerhalb eines Tages zu gelangen und digitale Medien verschaffen einen Zugang zu schier unvorstellbaren Informationsmassen in Sekundenbruchteilen.
Dass die Verhältnisse im Mittelalter andere waren liegt auf der Hand. Doch wie darf man sich die Rolle der überregionalen räumlichen Mobilität für damalige Gesellschaften vorstellen, wie gestaltete sich eine Reise, welche Anlässe und Umstände lagen vor und welche Strukturen trugen und prägten die Netzwerke?
Solchen und ähnlichen Fragestellungen soll im Rahmen des Vortrages aus archäologischer Sicht nachgegangen werden, um den Zuhörern das Abenteuer Reisen im Mittelalter nahe zu bringen.

HOHWACHTER BUCHT

Magazin ostsee* schleswig-holstein 2015, Ostsee-Holstein-Tourismus e.V.

Würdevoll sitzt Eberhard von Bodendiek an der langen Holztafel. Die hohe Stuhllehne überragt seinen Kopf und lässt den Burggrafen dadurch noch größer erscheinen. Sonnenstrahlen dringen durch die Ritzen der Holzbalken und beleuchten die zahlreichen Speere, Felle, Schilde und Waffen an den Wänden des schlichten Ritter-Wohnhauses. "Setzen Sie sich", fordert er uns auf "und ich erzähle Ihnen ein wenig von der Turmhügelburg und von der Region, in der sich diese außergewöhnliche Rekonstruktion einer mittelalterlichen Burg befindet." Eberhard von Bodendiek, im wahren Leben Hartmut Eller, ist 1. Vorsitzender des Vereins "Gesellschaft der Freunde der mittelalterlichen Burg in Lütjenburg e.V." Mit viel Engagement setzt er sich für den in Norddeutschland einmaligen Nachbau dieser Turmhügelburg ein, die zu den besonderen Highlights der Hohwachter Bucht gehört. Mehrere Male im Jahr finden hier auf dem Gelände mittelalterliche Märkte und Veranstaltungen statt. "Das begeistert unsere Besucher immer wieder aufs Neue. Vor allem die Kinder erleben hier Geschichte zum Anfassen." Dazu tragen auch die mittelalterlichen Gruppen bei, die hier in der Saison in den Häusern der Burg oder mit Zelten auf den angrenzenden Wiesen lagern. Sie arbeiten, essen, schlafen wie im Mittelalter und erklären den Besuchern, wie es sich früher zugetragen hat. Wenn Eberhard von Bodendiek nicht auf seiner Burg weilt und in sein bürgerliches Leben zurückkehrt, dann ist er viel in der Region unterwegs. "Vor allem seitdem meine Frau und ich uns Elektroräder gekauft haben, ziehen wir unseren Radius noch weiter."
Bis zum Strand nach Hohenfelde fahren die beiden dann. Vor allem das Ursprüngliche, das Natürliche reizt sie dort, verbunden mit einem "Besuch mit Meeresblick" im Bistro der Strandkrabbe. Auch der Stöfser Berg stellt an die "Fahrräder mit Antrieb" keine große Herausforderung mehr und die Tour um den Großen Binnensee wird zum wahren Vergnügen. "Der Blick über den See bis hin zum Leuchtturm Neuland in Behrensdorf und bis an die Ostsee ist nicht nur zur Rapsblüte ein wahrer Genuss fürs Auge." In Hohwacht angekommen, haben es die Fischerhütten in Alt-Hohwacht den Eheleuten besonders angetan, denn "sie passen so wunderbar zu dem Charme des ehemaligen Fischerdorfes", sagt Hartmut Eller. Je nach Lust und Laune folgt nun ein abschließendes Bad in der Ostsee, entweder am Hohwachter Kurstrand oder am karibisch angehauchten Sehlendorfer Strand.
"Als Lütjenburger lebe ich mitten in der Ferienregion Hohwachter Bucht. Mein Weg ist auch nicht weit in die historische Altstadt mit ihren hübschen Fachwerkhäusern und den vielen Geschäften. Zur Abwechslung fahren wir auch gerne nach Selent, im Sommer gekrönt mit einem Sprung in den Selenter See", erzählt der Burggraf. Wenn Familie Eller Besuch von auswärts bekommt, dann ist meist ein Ausflug zu den Galerien und Geschäften in Panker angesagt. Vor allem im Licht der Abendsonne gehört der Anblick der weidenden Trakehner auf dem weitläufigen Gutsgelände dann zu den ganz besonderen Momenten. "Wenn mein 4-jähriger Enkel in den Ferien bei uns ist, sind wir selbstverständlich häufig auf der Turmhügelburg und statten dann auch dem benachbarten Eiszeitmuseum ein Besuch ab."
Was Enkel Lukas aber auch liebt, ist das Toben in der Spielscheune oder das Dämme-Bauen in der Wasserspiellandschaft des Obst-Erlebnis-Gartens in Futterkamp. " Dem wird dann genauso viel Zeit gewidmet wie dem leckeren Kuchenenessen im Hofcafé", sagt der stolze Großvater, alias Burggraf Eberhard von Bodendiek.

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