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Archiv 2009

Geld fließt auch in den Bau einer Taverne

Kieler Nachrichten, 23.Dezember 09

Schöne Bescherung für die Freunde der Turmhügelburg

Über reichen Geldsegen kann sich die "Gesellschaft der Freunde der mittelalterlichen Burg in Lütjenburg" so kurz vor Weihnachten freuen: 10 000 Euro konnte der Ausschuss für Wirtschaft, Energie und Tourismus des Kreises Plön für den weiteren Ausbau der Anlage um die Turmhügelburg im Lütjenburger Nienthal überweisen.
Kreistagsabgeordneter Klaus Blöcker, der Vorsitzende des Ausschusses, konnte dem Vorsitzenden des Fördervereins Hartmut Eller sowie dem Planer und Baumeister Klaus Dygutsch die gute Nachricht überbringen. Blöcker, der zugleich dem Verwaltungsrat der Förde Sparkasse angehört, äußerte seine Freude darüber, dass mit diesen Mitteln aus dem Sparkassen-Überschuss von 2007 ein touristischer Anziehungspunkt noch attraktiver gestaltet werden kann.
Hartmut Eller und Klaus Dygutsch versicherten, dass das Geld gut angelegt werde: Nachdem in diesem Jahr bereits Investitionen von rund 180 000 Euro für die Kapelle, die Brücke, das Burgtor und ein Bienenhaus getätigt wurden, sind für das bevorstehende Jahr auf dem Gelände ein Gerätehaus sowie eine Taverne geplant, die bei Veranstaltungen in der Turmhügelburg für den Getränkeausschank genutzt werden kann und ansonsten Radwanderern und Spaziergängern als Picknick-Platz dienen soll.

Basar und Andacht auf der Turmhügelburg ein Erfolg

Foto: Anne Gothsch 

Kieler Nachrichten, 29.November 09

Die Premiere ist geglückt. Eigentlich wollte die „Gesellschaft der Freunde der mittelalterlichen Burg in Lütjenburg“ am Vorabend des ersten Advents lediglich zu einer plattdeutschen Andacht, umrahmt von mittelalterlicher Musik, in die Turmhügelburg einladen.
„Doch dann hatten wir überlegt, ob nicht auch ein kleiner Adventsbasar am Nachmittag mit ganz speziellen Produkten, die zu dem besonderen Ambiente passen, Besucher anlocken könnte“, erklärte Hartmut Eller, der erste Vorsitzende des Fördervereins, und zeigte sich mit dem Ergebnis – trotz des schlechten Wetters – sehr zufrieden. „Wir können uns gut vorstellen, den Adventsbasar im nächsten Jahr deutlich auszubauen und dann auch Naschereien und Getränke nach überlieferter Rezeptur anzubieten“, meinte der „Burgherr Eberhard von Bodendiek“. Sein Gesinde in zünftiger Tracht bot indessen in den einzelnen kleinen Gebäuden Holzschnitzereien und Töpferarbeiten an. Melitta Knop aus Lütjenburg, ebenfalls mittelalterlich gewandet, verkaufte selbst gekochte Marmelade, Honig von den burgeigenen Bienen sowie kleine Fläschchen mit Quitten-, Schlehen- und Apfelbeerlikör. Selbst gefertigter Schmuck aus Bronze, Silber, Bernstein, Knochen- und Muschelstückchen wurde ebenfalls feilgeboten, und aus dicker, warmer Wolle fertigten einige Frauen Strümpfe, Stulpen und Mützen mittels Naalbinding. Diese inzwischen fast in Vergessenheit geratene Handarbeitstechnik verbindet das Häkeln mit einer speziellen Knotenart, bei der eine dicke Nadel mit Öse aus Holz, früher auch aus Knochen, Elfenbein oder Horn bestehend, verwendet wird.
Zur plattdeutschen Andacht am Abend gab es dann im größten Raum der Burganlage kaum noch einen freien Stehplatz.
Die Veranstaltung galt zugleich als Auftakt für den „offenen Adventskalender“. Unter dem Motto „Sys willekomen heire kerst“, dem Titel des ältesten Weihnachtsliedes in deutscher Sprache, das aus der Zeit um 1394 stammt, sprach Pastor Georg Wilhelm Bleibom mit großem Buch und Taschenlampe die plattdeutsche Andacht. Begleitet wurde diese von mittelalterlichen Gesängen, dargeboten vom Vokalensemble „Angli clamant“ aus Kiel sowie von dem lateinischen Advents-Hymnus aus dem 15. Jahrhundert „Veni, Emanual“, gesungen von Ralf Popken, dem St. Michaelis-Kantor. Im Anschluss trafen sich die Gemeindemitglieder zu Gesprächen bei heißem Punsch und Keksen.

Mitten im Mittelalter

KN life!, November 09

Exklusiver Besuch der Lütjenburger Turmhügelburg für KN-Abonnenten

Strahlend blauer Himmel, die Sonne schien einem ins Gesicht, verräucherter Duft stieg auf - bei der exklusiven Rundführung durch die Lütjenburger Turmhügelburg konnten die Rahmenbedingungen nicht besser sein. Vormittags und nachmittags bot das mittelalterlich gekleidete Team um Hartmut Eller, Vorsitzender der Gesellschaft der Freunde und Förderer der mittelalterlichen Burg, den KN-Abonnenten eine Führung mit Mittagessen und Lederbeutelchen zum selber machen an. Mitarbeiter Klaus Witte führte die Gruppe durch die Gebäude und brachte den Besuchern einiges über das Rittertum, die Kämpfe, den Schutz sowie die Lebensweise jener Zeit näher. Die faszinierende Aussicht von der Turmhügelburg war natürlich inklusive. „Ich interessiere mich sehr für das Mittelalter. Spannend finde ich, wie die Menschen damals gelebt haben“, berichtete Michaela Totzke, die zusammen mit Ehemann Thomas und Sohn Mika teilnahm. „Für unseren Sohn ist das auch mal etwas anderes, Kenntnisse aus dem Mittelalter zu gewinnen. Heutzutage sitzen die Kinder häufig nur noch vor der Playstation oder dem Fernseher“, freute sich auch Thomas Totzke über die Veranstaltung. Mit den Eindrücken inmitten der historischen Kulisse fiel das zeitgenössische Kochen – Fladenbrote aus Mehl und Nüssen sowie ein Hirsebrei – und das Basteln mit den Hauptaktionisten Lis Mann, Stefanie Opitz und Norbert Sieben leichter. Ulla Jantz entdeckte erst vor kurzem ihr Interesse für diesen geschichtlichen Zeitabschnitt: „Ich war beim Lutherfest in Eisenach. Als ich gelesen habe, dass hier eine Rundführung ist, habe ich mich gleich angemeldet – eine hoch interessante Veranstaltung“, sagte sie und nähte einen für diese Zeit typischen Lederbeutel, den sie und die weiteren Teilnehmer dieser mittelalterlichen KN life!-Aktion mit nach Hause nehmen konnten.

»Hört, liebe Freunde der Burg und Bürger von Lütjenburg!«

Förde Kurier, 28.Oktober 2009

Das Jahr neigt sich dem Ende zu, die stille Zeit steht vor der Tür! Darum lädt für den Sonnabend vor dem 1. Advent, den 28. November, Graf Eberhard zum Adventsmarkt und zur Adventsandacht in seine Burg im Nienthal von Lütjenburg ein.

Ab 14 Uhr wird im Gesindehaus ein kleiner Adventsmarkt, bei dem mittelalterliche Handwerker ihre Arbeit präsentieren und ihre Produkte auch zum Kauf anbieten, stattfinden. (Vielleicht ist dies ja der Start für einen größeren Adventsmarkt in den kommenden Jahren...). Um 18 Uhr findet dann - gleichzeitig als Auftaktveranstaltung des »Lebendigen Adventskalenders 2009« der Kirchengemeinde Lütjenburg - im Wirtschaftsgebäude bei Kerzen- und Laternenschein eine Adventsandacht zur Einstimmung auf die vorweihnachtliche Zeit statt. Vereinsmitglied Pastor em. Bleibom wird eine kurze plattdeutsche Andacht halten, musikalisch umrahmt vom Kieler Mittelalterchor »angli clamant« und dem Lütjenburger Kantor Ralf Popken. Auch alle Besucher dürfen mitsingen! Anschließend gibt es Tee, Punsch (mit und ohne Schuss) und Glühwein sowie Plätzchen und Schmalzstullen.
Bitte für die Andacht an Laternen und für den Heimweg an Fackeln, Laternen oder auch neuzeitliche Taschenlampen denken!
Parkmöglichkeit ist auf der Wiese an der Burg vorhanden.

Lütjenburger „Aufbruch“ trotzte Wind und Wetter

Kieler Nachrichten, 07.September 2009

Graf Eberhard von Bodendiek (alias Hartmut Eller, Vorsitzender der Gesellschaft der Freunde und Förderer der mittelalterlichen Burg in Lütjenburg) hatte, wie es gute Sitte war, erneut zum „Lütjenburger Aufbruch“ geladen. Quasi als „Erntedank“ sollte das Volk mit Gauklern, Barden, Minnesängern und viel anderer Kurzweil mehr erfreut werden. Das gelang am Wochenende trotz Sturmböen und Regenschauern gut.
In Blau war er zünftig gewandet, der „Graf“ und Gastgeber, während er über seine Flächen schritt und zusah, wie Gaukler vor den 130 Zelten jonglierten, Ritter ihre Kräfte miteinander maßen und es in den Töpfen über den schwelenden Feuerstellen brodelte. Der Barde McKenzie zog im Schatten der Burg die Zuhörer in seinen Bann und die Musikgruppe „Versengold“ begeisterte mit mittelalterlichen Tönen und derb-spaßigem Gesang - ein Augen- und Ohrenschmaus für Jung und Alt.
„Obwohl unser Tavernenzelt am ersten Tag von einer Sturmböe erfasst und abgebaut werden musste, einiger anderer Schaden an manchen Zelten der rund 50 mitwirkenden Gruppen aus ganz Deutschland entstand und Regenschauer immer wieder niederprasselten, herrschte gute Laune“, resümierte der „Eller-Graf“ von Bodendiek und freute sich über den starken Zuschauerzuspruch, der auch beim dritten und letzten mittelalterlichen Markttreiben auf der Lütjenburger Turmhügelburg in diesem Jahr zumindest für eine Kostendeckung der Veranstaltung sorgte.
„Unser Konzept ist, den Gästen für ein „Burgopfer“, einen kleinen Obolus, so viel Abwechslung wie möglich zu bieten und das geht auf“, bilanzierte Eller.
Und so gab es vom Poitou-Esel bis zum Minnesänger Knud Seckel (Bergstraße/Baden-Württemberg), der, natürlich in historisch-höfischem Gewand, aus dem Nibelungenlied auf Mittelhochdeutsch rezitierte und sich dabei selbst - mit Harfe, Symphonia und Langhalslaute - begleitete, viel zu erleben.
Beim herrlich bunten Spektakel dabei sind, „jedes Mal“, Stefanie Opitz (31) und Sohn Erik (1) aus Schwentinental. „Es ist einfach schön hier“, findet die junge Frau, die Mitglied ist im Kieler Verein „Erlebtes Mittelalter“.
Ebenfalls mit von der Partie gewesen sind Maren und Ragnar Sell aus Norderbrarup, Mitglieder bei den „Midgaard-Skalden“, eine Wikinger-Schauspielgruppe aus Haitabu. Das Ehepaar übernachtete nebst Hündin Maja im Zelt und fertigte Lederwaren, Schmuck und Wikinger-Stickereien. „Ein toller Markt mit gutem Programm“, lautete ihr Urteil.

800 Jahre Mittelalter zum Anfassen

Lütjenburger Rundblick, 26.August 2009

Das Klirren der Kettenhemden und Dröhnen der Pferdehufe auf dem staubigen Grund empfing beim Mittelalterey in der Turmhügelburg zu Nienthal die Besucher. Die Mittelaltergruppen aus ganz Deutschland vermitteln diese alte Kultur mit Hingabe und Liebe zum Detail.

Zur Geschichte der Turmhügelburg
Wenn man den kleinen, braunen Schildern" folgt, die eine Turmhügelburg ankündigen, findet man meist nur einen Hügel vor. Aber nicht so im Nienthal, hier gibt es auch den mittelalterlichen Gutshof dazu. Mit viel Enthusiasmus wurde ein Stück Vergangenheit akribisch nachgebaut. Ein außergewöhnliches Museum, in dem die Kultur aus dem Mittelalter lebendig wird: Das Gebiet zwischen der Kieler Förde, der Schwentine und der Trave ist fast identisch mit dem heutigen Kreis Ostholstein und wurde als Wagrien bezeichnet. Der Name leitet sich aus dem slawischen Stamm der Wagrier ab. Unter den Schauenburger Grafen wurde das slawische Wagrien erobert. Die Adligen befestigten ihre Wohnsitze mit Ringwall und Wassergraben, davon ist die Turmhügelburg, chäteau ä motte, die Motte, die häufigste Befestigungsform.

Eine Illusion zum „Begreifen"
Wenn man den Vorsitzenden Hartmut Eller zu diesem Projekt befragt, kommt der 67-jährige ins Schwärmen. „Als wir vor sechs Jahren mit sieben Mitgliedern den Verein »Gesellschaft der Freunde der mittelalterlichen Burg in Lütjenburg' gründeten, wurden wir noch als ,Spinner' belächelt." Aber schon bald wurde aus der Idee der authentischen Rekonstruktion einer Burganlage aus der Zeit von 1230 im Nienthal eine perfekte Illusion. „Heute haben wir 300 Mitglieder im Verein und Stück für Stück wurde hier ein mittelalterlicher Gutshof, teils aus EU-Geldern, aber auch mit vielen Spenden, die der Verein zusammengetragen hat, erbaut", so Eller.

„Wie lebten die Menschen im 13. Jahrhundert?"
Das wollten die Fünft- und Sechst-klässler der Grund- und Hauptschule und des Förderzentrums Schönberg herausfinden, nachdem sie schon so viel über Sconeberg und die Zeit um 1259 gehört hatten. Die Kling Stiftung für Bildung und Zukunft und die Gesellschaft der Freunde der mittelalterlichen Burg in Lütjenburg e.V. ermöglichten den Kindern Mittelalter zum Anfassen. Die Stiftung übernahm die Kosten und entwickelte in Kooperation mit der Turmhügelburg ein Unterrichtsbegleitheft zur Vor- und Nachbereitung des Projekttages. Tonio Kling, Vorstand der Stiftung, begleitete die Schüler an diesem Tag. Herr Eller, vielen besser bekannt als Burgherr Eberhard von Bodendiek, organisierte die Führung. Nach der Führung erforschten die Kinder dann selbstständig das Gelände.

Einweihung der Vicelin-Kapelle
Die Vicelin-Kapelle der Turmhügelburg wurde als weiterer Höhepunkt in diesem Jahr im Rahmen eines festlichen Gottesdienstes im Freien eingeweiht. In dieser Kapelle werden neben Gottesdiensten auch Taufen und Hochzeiten stattfinden. „Aber das Brautpaar und die Täuflinge sollten „gewandet" sein, also die mittelalterliche Kleidung tragen" , so Eller. Zum „Lütjenburger Aufbruch", einem mittelalterlichen Markt mit Musik, am 5. und 6. September von 10 bis 18 Uhr können die Besucher wieder Mittelalter erleben. Aber auch außerhalb dieser Veranstaltungen können interessierte Besucher „Burgluft" schnuppern. Bis Ende September, jeweils 15 Uhr immer Mittwoch, Samstag und Sonntag, werden Führungen durch die Burganlage der Turmhügelburg im Nienthal angeboten.

Wolle gefärbt in einem Sud aus Zwiebelschalen
Foto: Anne Gothsch

A. Gothsch, Kieler Nachrichten - Ostholstein, 19.August 2009
KN-Serie Urlaubertipp: Turmhügelburg im Lütjenburger Nienthal

Urlauber aus Bergfelde genossen das Treiben mit Mittelalter-Freunden

Für Langeweile hatte Sascha Wulsdorf aus Bergfelde bei Berlin, der mit seinen Eltern zum ersten Mal in Schleswig-Holstein Urlaub machte, keine Zeit. „Wenn nicht gerade Badewetter war, haben wir die verschiedensten Angebote genutzt, um die Gegend kennen zu lernen“, erzählte Vater Thomas Wulsdorf, der sich mit seiner Familie eine Ferienwohnung in Kellenhusen gemietet hatte. Sehr gut gefallen hätte ihnen eine Tour mit der Museumsbahn Schönberg, „aber auch von der ganzen Anlage der Turmhügelburg waren wir begeistert.“
Dabei hatten die Wulsdorfs auch noch das Glück, dass bei ihrem Besuch einige Mittelalter-Freunde das Wochenende auf der Anlage verbracht hatten und den Gästen zeigen und erklären konnten, wie die Menschen damals in etwas gelebt haben. So hatte „Lis“ aus der Kieler Gruppe „Bodendiecks Gesinde“ einen Sud aus Zwiebelschalen gekocht, um darin Wolle zu färben, während „Valder Valdersohn“ und der „Großknecht Hermann“ erklärten wie die Arbeit in der Familie verteilt war, wie aus dem Brunnen Wasser geschöpft oder welche Werkzeuge hergestellt wurden.
„Unser Ziel ist es, die Belebung der Burg mit Gruppen und Vereinen, die sich mit dem Leben im Mittelalter beschäftigen, auszubauen“, sagt Hartmut Eller, erster Vorsitzender des Fördervereins, der „Gesellschaft der Freunde der mittelalterlichen Burg in Lütjenburg“. Es wirke für die Besucher viel authentischer, wenn hier Menschen seien, „die beispielsweise ihre Kleidung nach damaligem Vorbild gestalten und selbst herstellen, über dem offenen Feuer kochen, Lieder und Bräuche aus dem Mittelalter kennen und den Besuchern auf anschauliche Weise Wissen über diese Zeit vermitteln können“.
Pro Jahr organisiert der Verein mit seinem ehrenamtlichen Helfern rund 250 Führungen, dazu zahlreiche Veranstaltungen wie beispielsweise den „Lütjenburger Aufbruch“, der am ersten September-Wochenende stattfindet.

Führungen mittwochs, sonnabends und sonntags ab 15 Uhr / Anmeldung unter
Tel. 04381 918847. Die Außenanlage ist ständig geöffnet.

Rittersleut` hatten viele Besucher

 

Kieler Nachrichten 20.Juli 2009

"Was für ein gemeiner Ton", so hätte eine der bekannten Loriot-Figuren Hendriks verzweifelten Versuch quittiert, einem gewaltigen Tierhorn ein klares signal zu entlocken. Der Urlauber aus Köln, Besucher beim Ritter-Spektakel "Mittelalterey" auf dem Gelände der Lütjenburger turmhügelburg, ließ sich duch den Misserfolg allerdings nicht die Stimmung verderben: Er schulterte das Horn und setzte mit seiner Familie den ausgedehnten Rundgang fort.
Spaß am mittelalterlichen Leben endeckte aus Pius. Der zweijährige Knirps war von den Rüstungen der Ritter derart fasziniert, dass er erst Ruhe gab, als er sich einen Helm aufsetzen und ein Kurzschwert in die Hand nehmen durfte. Den Zweikampf mit einem "echten" Ritter konnten seine Eltern dann allerdings doch noch rechtzeitig verhindern.
Als Mittelalter-Fan hat sich letztlich auch Petrus wieder einmal geoutet. Nachdem es am Sonnabendvormittag noch geschüttet hatte und das riesige Zeltlager am Rande des Burggeländes zeitweise fast unter Wasser gesetzt wurde, zeigte sich der Wettergott ab Mittag von seiner freundlichsten Seite. Kein Wunder, dass es plötzlich Besucher scharenweise ins Nienthal zog, wo ein buntes Programm vielfältige Unterhaltung und dabei auch gleich Inensiv-Nachhilfe in Geschichte versprach. Dafür sorgten die vielen Mittelalter-Gruppen nicht nur aus dem gesamten norddeutschen Raum, sondern auch aus dem Bayerischen Wald. Sie hatten mehr als 60 Zelte aufgebaut, in denen sie lebten und sich dabei auch bereitwillig von interessierten Besuchern beobachten und mit Fragen "löchern" ließen.
Zum Lagerleben gehörte auch der Mittelaltermarkt mit etlichen Ständen und Darstellung damaliger Handwerkskunst wie Filzen, Spinnen, Herstellen von Lederwaren und Schmiedearbeiten. Besondere Höhepunkte waren offensichtlich die Ritterkämpfe hoch zu Ross und zu Fuß Mann gegen Mann. Die Turnierbahn war dicht umlagert von Neugierigen, die authentische Kampfszenen mit viel Applaus quittierten. Daneben ließen sich auch die Bogenschützen gerne bewundern.
Erstmals in Lütjenburg dabei waren übrigens die spätmittelalterlichen Böllerschützen der "Hirschensteiner Söldnerlanze", die sich mit ihren krachenden Vorführungen Gehör verschafften. Wer´s nicht so martialisch mochte, kam bei den Auftritten anderer Gruppen auf seine Kosten. Gefeiert wurden die Tänzerinnen des Sarazenen-Stammes "Ardea Benu" ebenso wie die Musikanten von "Froelich Geschray" und der "Saitenwanderer" im Burghof. Kinder zog es allerdings mehr zur Vorführung der Schäferin Daja mit ihrem Hütehund sowie zu den Tiergattern.

Mittelalter zum Anfassen - ein Schultag in der Turmhügelburg Lütjenburg

Wie lebten die Menschen im 13. Jahrhundert? Das wollten die Fünft- und Sechstklässler der Grundund Hauptschule und des Förderzentrums Schönberg herausfinden, nachdem sie anlässlich der 750-Jahr-Feier schon so viel über Schönberg und die Zeit um 1259 gehört hatten.

Die Kling Stiftung für Bildung und Zukunft und die Gesellschaft der Freunde der mittelalterlichen Burg in Lütjenburg e.V. ermöglichten den Kindern am 26. Juli Mittelalter zum Anfassen. Die Stiftung übernahm die Kosten und entwickelte in Kooperation mit der Turmhügelburg ein Unterrichtsbegleitheft zur Vor- und Nachbereitung des Projekttages im Schulunterricht. Die Materialien stehen zukünftig allen interessierten Schulen zur Verfügung. Tonio Kling, Vorstand der Stiftung, begleitete die Schülerinnen und Schüler an diesem Tag. Herr Eller, vielen besser bekannt als Burgherr Eberhard von Bodendiek, organisierte die fachkundige Führung durch Herrn Oelerich und Herrn Witte, die den Auftakt der Erkundung bildete. Wie viel leichter gestaltet sich das geschichtliche Lernen, wenn man das Gefühl hat, auf einer Zeitreise zu sein, wenn man anfassen und erleben kann!
Nach der Führung erforschten die Kinder mit verschiedenen Arbeitsaufträgen selbstständig das Gelände. Es wurde vermessen, gezeichnet, beschrieben, hinterfragt und fotografiert – und nirgends war Anfassen verboten. Bei so viel Möglichkeit zum Begreifen gibt es nun in den beteiligten Klassen vielfältige Ergebnisse, die aufbereitet und präsentiert werden können. Die Turmhügelburg versteht sich als lebendiges Museum, und sie wird diesem Anspruch gerecht. Die Kling Stiftung möchte die Angebote für Schulklassen auch in Zukunft unterstützen, um diese einzigartige Anlage als außerschulischen Lernort mit auszubauen und die Einbindung in den Unterricht weiter zu fördern. Sowohl die Stiftung als auch die Turmhügelburg finanzieren ihre Projekte über Spenden und freuen sich über jede finanzielle Unterstützung, die weitere Vorhaben ermöglicht.

Sarkophag-Platte als Dauerleihgabe

Kieler Nachrichten, 15. Juni 2009

Vicelin-Kapelle an der Turmhügelburg in Nienthal geweiht

Sie sollte die Perle werden - und das ist gelungen. Die Kapelle der Turmhügelburg im Nienthal von Lütjenburg ist ein wahres Schmuckstück geworden. Sie wurde am Sonnabend mit einem feierlichen Gottesdienst eingeweiht und erhielt Vicelin zu Ehren, der sich für den christlichen Glauben eingesetzt hatte, dessen Namen. Die Vicelin-Kapelle soll künftig auch für Taufen, Trauungen oder andere kirchliche Anlässe genutzt werden.
Es war eine besondere Atmosphäre. Die rund 150 Besucher waren über die große Brücke am Burggraben vorbei an den mittelalterlichen Häusern zur Kapelle dem Ruf des Glöckners gefolgt. Lupinen, Mohn und Kornblumen zierten den „Altar", Schafe blökten und das Froschkonzert im Hintergrund begleitete die feierlichen Worte von Propst Matthias Petersen und blauem Himmel.
Nicht durch ein Zeremoniell werde ein Haus geweiht, sondern durch die Menschen. „Menschen wie Vicelin, die den Mut hatten, sich Mund und Finger zu verbrennen. Menschen wie Ihr", sagte der Propst zu den Besuchern.
Eine Besonderheit ziert den schlichten Innenraum der Kapelle: eine mittelalterliche Sarkophag-Platte als Dauerleihgabe der Kirchengemeinde Giekau. Einen Dank dafür richtete „Burgherr" Hartmut Eller an die Kirchengemeinde. Und: „Die Weihe der Notre Dame in Paris kann kaum schöner gewesen sein", sagte der Vorsitzende der „Gesellschaft der Freunde der mittelalterlichen Burg" und nahm den Festgottesdienst zum Anlass für weitere Dankesworte. Die richtete er vor allem an den Planer und Architekten Klaus Dygutsch, „der hier ein Denkmal geschaffen" habe, und an die Firmen, die eine handwerkliche Meisterleistung vollbracht hätten. Auch Spender und Sponsoren vergaß Eller nicht, denn ohne sie hätte das 108 000 Euro teure Haus nicht errichtet werden können.
„Die Kapelle ist noch nicht ganz fertig, doch es geht eben nur Stück für Stück", so Eller. Besonders kostenintensiv ist das Material wie die handgefertigten Klosterformat-Ziegel, wie sie auch beim Bau großer Dome in Lübeck oder Schleswig verwendet werden. Die Kollekte soll übrigens für eine Bibel verwendet werden.

Vicelin-Kapelle an der Turmhügelburg

 

Kieler Nachrichten, 14. Juni 2009
Text: Astrid Schmidt

Sie sollte die Perle werden - und das ist gelungen. Die Kapelle der Turmhügelburg im Nienthal von Lütjenburg ist ein wahres Schmuckstück geworden. Sie wurde mit einem feierlichen Gottesdienst eingeweiht und erhielt Vicelin zu Ehren, der sich für den christlichen Glauben eingesetzt hatte, dessen Namen. Die Vicelin-Kapelle soll künftig auch für Taufen, Trauungen oder andere kirchliche Anlässe genutzt werden.
Es war eine besondere Atmosphäre. Die rund 150 Besucher waren über die große Brücke am Burggraben vorbei an den mittelalterlichen Häusern zur Kapelle dem Ruf des Glöckners gefolgt. Lupinen, Mohn und Kornblumen zierten den „Altar“, Schafe blökten und das Froschkonzert im Hintergrund begleitete die feierlichen Worte von Propst Matthias Petersen und blauem Himmel.
Nicht durch ein Zeremoniell werde ein Haus geweiht, sondern durch die Menschen. „Menschen wie Vicelin, die den Mut hatten, sich Mund und Finger zu verbrennen. Menschen wie Ihr“, sagte der Propst zu den Besuchern.
Eine Besonderheit ziert den schlichten Innenraum der Kapelle: eine mittelalterliche Sarkophag-Platte als Dauerleihgabe der Kirchengemeinde Giekau. Einen Dank dafür richtete „Burgherr“ Hartmut Eller an die Kirchengemeinde. Und: „Die Weihe der Notre Dame in Paris kann kaum schöner gewesen sein“, sagte der Vorsitzende der „Gesellschaft der Freunde der mittelalterlichen Burg“ und nahm den Festgottesdienst zum Anlass für weitere Dankesworte. Die richtete er vor allem an den Planer und Architekten Klaus Dygutsch, „der hier ein Denkmal geschaffen“ habe, und an die Firmen, die eine handwerkliche Meisterleistung vollbracht hätten. Auch Spender und Sponsoren vergaß Eller nicht, denn ohne sie hätte das 108000 Euro teure Haus nicht errichtet werden können.
„Die Kapelle ist noch nicht ganz fertig, doch es geht eben nur Stück für Stück“, so Eller. Besonders kostenintensiv ist das Material wie die handgefertigten Klosterformat-Ziegel, wie sie auch beim Bau großer Dome in Lübeck oder Schleswig verwendet werden. Die Kollekte soll übrigens für eine Bibel verwendet werden.

Die Slawen siedelten niemals in Nienthal

Kieler Nachrichten, 10. Juni 2009

Zumindest bei intimen Kennern der deutschen Geschichte hat die Lektüre des KN-Artikels („Slawen stilecht ins Bild gesetzt") vom Dienstag für Irritationen gesorgt. So wies Jörg Wilhelmy, Vorstandsmitglied des Turmhügelburg-Fördervereins und Drehbuchautor des gerade entstehenden Filmes über die Darstellung mittelalterlichen Lebens in dieser Region, auf einen Fehler hin. „Wir haben im Nienthal eine Wehranlage zur Zeit der Christianisierung rekonstruiert. Slawen haben hier nachweislich nie, sondern in Starigrad (Oldenburg) gesiedelt. In dem Film sollen aber beide Lebensformen dargestellt werden." Als Zeichen für die Ansiedlung von Christen werde am Sonnabend, 13. Juni, übrigens ab 14.30 Uhr mit einem Festgottesdienst die Kapelle im Nienthal eingeweiht, kündigte er an.

Slawen stilecht ins Bild gesetzt

Kieler Nachrichten, 09. Juni 2009

Auch wenn das Film-Vieh Ohrmarken trägt und neu angepflanzte Bäume von Plastikbändern in Position gehalten werden: Im Großen und Ganzen sorgt der Lütjenburger Jörg Wilhelmy dafür, dass die Filmkameras authentisch dokumentieren, was das mittelalterliche Leben der Slawen in dieser Region ausmachte.
Wie war der Alltag damals, als die Slawen im Nienthal des heutigen Lütjenburg siedelten? Als sie sich wehrten gegen die Christianisierung und die Ritter, während das mittelalterliche Leben seinen gewohnten Gang nahm? Der Chronist Helmold von Bosau hat das in seiner im Jahre 1167 erschienen Slawenchronik festgehalten. NDR-Nachrichtenredakteur Jörg Wilhelmy, Mitglied des Fördervereins Turmhügelburg, macht daraus zusammen mit zwei Kollegen einen Film: „Der Lütjenburger Schwur".
Nachdem Mitte Mai Kapitel eins, „Der Aufbruch der Slawen", im Wallmuseum von Oldenburg - alte Slawenhauptstadt „Starigard" - inszeniert worden war, ging es nun auf dem Gelände der Turmhügelburg Lütjenburg mit Kapitel zwei weiter. Titel: „Die Warnung des Spielmanns". Geschichte: Spielmann Brandon entkommt dem Gemetzel der Slawen an der Feste Plön und will die Bewohner in Lütjenburg vor den heranziehenden Truppen warnen.
„Das Buch von Helmold fand ich faszinierend. Es gab den Anstoß dafür, das mittelalterliche Dorfleben darzustellen", erklärt Drehbuchautor Wilhelmy. „Geschichte erlebbar machen" wollen auch seine beiden Kollegen, der pensionierte NDR-Kameramann Peter Voß und der freie Film-Produzent Karl Siebig. Weder Wilhelmy noch die beiden Kieler nehmen Honorar für die insgesamt sechs Drehtage. Und auch die gut zwei Dutzend Mitwirkenden, Mitglieder des Turmhügel Vereins sowie der Vereine „Erlebtes Mittelalter Kiel" und die „Holsteiner" (Ritter) aus Neumünster, unterstützen das Projekt ehrenamtlich.
Gezeigt wird der Tagesablauf der Slawen vor dem Feldzug gegen die Festung in Plön mit Kochen, Backen, Handwerken, Gartenarbeit und allem, was das Leben der Slawen damals ausgemacht hat. „In diesem Gebiet gab es fast ausnahmslos nur kleine Scharmützel, keine großen Schlachten", weiß Wilhelmy. Weitere Drehtage sind der 13., 27, und 28. Juni. Es sei an dieser Stelle verraten, was der Geschichtskenner ohnehin schon weiß: Die Slawen verloren die Schlacht, in die Graf Gottfried von Nienthal schlichtend eingriff, und akzeptierten den christlichen Glauben.

Ein kleines Gotteshaus ist die neue Zierde der Turmhügelburg

Ostholsteiner Anzeiger, 5. Juni 2009

Als Kapelle wurde ursprünglich der Ort bezeichnet, an dem im 7. Jahrhundert die Mantelhälfte des heiligen Martin von Tour in Paris als Reichsreliquie verehrt wurde (capella lat. "kleiner Mantel"). Im Laufe der Jahrhunderte ging diese Bezeichnung auf kleine Bet- oder Gotteshäuser über.
Am Rande der Vorburg, gleich neben dem Burggraben, steht seit wenigen Tagen ein kleines Fachwerkgebäude: die Kapelle des Mittelalterzentrums Schleswig-Holstein im Nienthal von Lütjenburg. "Wir haben zusammen mit Kirchenhistorikern lange nach einem Vorbild für unsere Kapelle gesucht", sagt Baumeister Klaus Dygutsch. Fündig geworden sei man dann mit einer Kapelle in dem kleinen Ort Fuhlenhagen im Herzogtum Lauenburg unweit von Talkau. Eine genauere Beschreibung der Kapelle lieferte Richard Haupt in seinem 1890 erschienenem Buch über die Kirchen des Landes. "Ausschlaggebend für uns war, dass die Kapelle von Fuhlenhagen wohl zwischen 1400 und 1500 gebaut wurde und - wie damals üblich - zunächst keinen Glocken-Dachreiter besaß. Das deckte sich mit anderen Quellen der Zeit", so Dygutsch weiter. Vorbild für die Aufhängung der Glocke war daher die "Bauernglocke" in einer Astgabel aus Drage/Nordfriesland.
Auch wenn die Kapelle von Fuhlenhagen nur als Anregung und Vorbild für die Rekonstruktion diente, der mit Schmuckmauerwerk ausgefachte Stufengiebel ist genau so prächtig wie beim Original. Auch im massiven Ständerwerk aus Eiche lassen sich die Parallelen noch erkennen.
"Besonders stolz sind wir auf die Zierplatte eines Sarkophags mit der Darstellung eines namenlosen Ritters, die ganz sicher aus dem Mittelalter stammt", sagt "Burgherr" Hartmut Eller, der Vorsitzende des Trägervereins. "Der Stein ist eine Dauerleihgabe der Kirchengemeinde in Giekau und findet einen würdigen Platz bei uns in der Mauer im Inneren der Kapelle."
Propst Matthias Petersen aus Preetz wird den Einweihungsgottesdienst für die Kapelle der Turmhügelburg am Sonnabend, dem 13. Juni, um 14.30 Uhr halten. Der mittelalterliche Chor "Angli Clamant" wird zu diesem Anlass eine Messe singen, die Arne Paysen extra für dieses Ereignis komponiert hat. Der Kieler Mittelalterfan ist vielen Burgbesuchern eher als Schmied und Köhler der Turmhügelburg bekannt - er hat aber auch Kirchenmusik des Mittelalters studiert.
Umrahmt wird der Gottesdienst vom Ensemble des Lütjenburger Kantors Ralf Popken, das auf alten Instrumenten spielt. Gäste zu dieser Veranstaltung sind willkommen. Künftig sind damit in der Turmhügelburg selbst nicht nur standesamtliche Trauungen möglich, sondern auch kirchliche Eheschließungen und Taufen in der Kapelle.

Deutscher Meisterschaftslauf 2009 der berittenen Bogenschützen

Einen ausführlichen Bericht über den Meisterschaftslauf an der Turmhügelburg finden sie hier

Wilde Horden stürmten die Burg

Kieler Nachrichten, 02. Juni 2009

Die Wikinger-Tage von Nienthal sind längst ein Klassiker im Lütjenburger Veranstaltungskalender. Wie immer über Pfingsten fielen am Wochenende wieder die wilden Horden aus dem Norden in Nienthal ein und bevölkerten direkt vor den Toren Lütjenbrgs das Gelände an der Turmhügelburg.
Knapp 70 Zelte umfasste das Wikingerlager. Fast ebenso viele Gruppen sorgten auf dem weitläufigen Gelände für ein munteres Lagerleben. Überall wurde geschnitzt, geschmiedet, gewerkelt. Erstmals gab es auch Speis und Trank in einer Taverne im Lager, stilecht ausgegeben auf Holztellern und in Tonkrügen.
Während auf dem Außengelände die Wikinger ihre Handwerkskunst präsentierten, war in der von Palisaden umzäumten Burganlage erlebtes Mittelalter mit Musikern, Marktleuten und Gauklern angesagt. Lagerleben, Führungen und Schauspiel, dazu immer wieder mittelaterliche Musik, Wettkämpfe und Mitmachaktionen: Die Besucher, die nach Veranstalterangaben zu Tausenden an den beiden Wikingertagen kamen, konnten einiges erleben in der und um die Burg. Den traditionellen Dreikampf etwa um das "Ehrbare Lütjenburger Schwert" , den diesmal "Olaf Schildbeißer" aus Lütjenburg für sich entschied. Mit nach Hause nehmen durfte der Beste unten den 30 Kämpfern als Preis kein Schwert, sondern ein Messer mit handgeschmiedeter Damaszener-Klinge, das Arne Focke und Arne Paysen eigens in der Burgschmiede gefertigt hatten.

Zurück ins Mittelalter

Jana E. Seidel, Kieler Nachrichten, 30.Mai 2009

Es ist, wie es war, könnte man über die Rekonstruktion einer mittelalterlichen Turmhügelburg bei Lütjenburg sagen. Errichtet wurde sie von leidenschaftlichen Ehrenamtlern.

Wer mit dem Auto gemächlich über die Dörfer im Kreis Plön zuckelt, hat sie schon einmal gesehen, die unscheinbaren braunen Schilder, die auf eine Turmhügelburg hinweisen. Vielleicht hat er sich dann sogar die Zeit genommen und ist einem dieser Schilder gefolgt, um dann einen - nun ja, eben einen Hügel zu entdecken. Da kann man sich schon mal fragen, wie sie denn nun ausgesehen hat, so eine Turmhügelburg. Wer allerdings würde sich die Arbeit machen, eine zu rekonstruieren?
„Das können nur Verrückte“, sagt Hartmut Eller, Vorsitzender des Vereins „Gesellschaft der Freunde der mittelalterlichen Burg in Lütjenburg“, der sich die Turmhügelburg-Frage vor vielen, vielen Jahren auch einmal stellte. Heute steht er vor der authentischen Rekonstruktion eines Wehrgehöftes aus der Zeit um 1250. Entlegen genug von Straße und Häusern, um die Illusion perfekt zu machen, sieht man einmal von dem modernen Toilettenhäuschen mit Duschen ab, für die die Gäste bei aller Vergangenheitsliebe sicher sehr dankbar sind.
Dabei macht der mittlerweile 67-jährige Vereinsvorsitzende und ehemalige Berufssoldat einen überaus vernünftigen Eindruck. Die „Verrücktheit“ äußert sich wohl eher in ungewöhnlicher Akribie beim detailgetreuen Nachbilden des Mittelalters, sehr viel Einsatzbereitschaft und Begeisterung. Vor sechs Jahren startete der Verein mit sieben Mitgliedern, heute sind es 300. Jedes Jahr entstand seither ein neues Gebäude: Burganlage, Wohn- und Stallgebäude, Wohnhaus des Ritters, Wirtschaftsgebäude, Speicher und Backhaus. Der Mann, nach dessen Anweisungen diese Bauten entstehen, ist der 71-jährige Ingenieur Klaus Dygutsch, Leiter des Bauunternehmens Schwalbe in Preetz und Schatzmeister des Vereins. Viele verwandte Materialien sind tatsächlich mehrere Hundert Jahre alt, Stücke mit Patina: Die Beschläge an der Tür zur Schmiede, der Amboss, die rundlichen Ziegel auf dem Dach beispielsweise. Was nicht alt ist, wird nach alten Methoden per Hand gefertigt wie der schwere Eichentisch im Wohnraum des Ritters. Eiche war ein beliebtes Material, „weil es kaum brennt. Wenn es von einem Feuerpfeil getroffen wird, passiert nichts“, sagt Eller. Auf dem Tisch stehen die Tonkrüge, die nach Vorbildern aus Ausgrabungen gefertigt werden. Dies alles kostet nicht nur sehr viel Zeit, sondern auch sehr viel Geld. Mittlerweile stecken rund zwei Millionen Euro in dem Projekt, teils aus EU-Geldern, aber größtenteils vom Verein selbst „zusammengebettelt“, erzählt Eller nicht ohne Stolz. Nach einem Besuch des kleinen Gebäudes für Mägde, Knechte und Vieh, fällt im Wohnraum des Ritters der Geruch auf, oder eher dessen Abwesenheit. Hier gibt es nicht den eindringlich rauchigen Geruch des offenen Feuers oder einen rußgeschwärzten Funkenfang. „Fußbodenheizung“, erklärt Eller. Beim Hypokaustum (aus dem Griechischen) wird der Raum unter dem Fußboden von einem im Freien stehenden Brennofen geheizt. Durch kleine Luftschächte dringt qualmfreie Wärme nach oben. „Es gab im Mittelalter eine Unmenge von Dingen, von denen wir heute gar nichts mehr wissen.“ Diese baulichen Details faszinieren die Vereinsmitglieder, die selbst eher selten in Gewandung auftreten, außer natürlich zu den etwa drei von ihnen organisierten Festen im Jahr, bei denen sich Eller in das Gewand des Burgherrn Eberhard von Bodendiek begibt. Gegen eine geringe Gebühr dürfen dafür Mittelalteraktivisten die Anlage nutzen. Kaum eine Zeit scheint die Fantasie so anzuregen wie diese, das zeigen nicht nur Veranstaltungen, sondern auch die vielen Gäste der Anlage. „Viele nähen ihre Zelte selbst. Sie weben ihre Stoffe, färben sie mit Naturmaterialien. Indigo, Brennnessel, Walnuss - das sind wunderschöne Farben.“ Die Auflage, die sie erfüllen müssen, ist hoch: Ihr Auftreten soll dem Authentizitätsanspruch der Anlage gerecht werden. Das heißt, die Kostüme sollten nicht einfach aus irgendeinem Theaterfundus stammen und irgendwie mittelalterlich anmuten, sondern tatsächlich der damals getragenen Kleidung entsprechen. Auch müssen die Bewohner auf Zeit bereit sein, mit Besuchern über ihr Leben in der Anlage zu sprechen.
An diesem Pfingstwochenende findet ein Wikingerspektakel mit mehr als 50 Zelten, Kämpfen, Handwerk, mittelalterlichem Essen und dunklem Bier statt. Auch hier gilt: Verkauft werden darf nur, was selbst gefertigt wurde. Zwei Wochen später nähert sich das Projekt einem vorläufigen Höhepunkt. Der vorerst letzte größere Bau, die Kapelle, wird am 13. Juni mit einem Gottesdienst eingeweiht. Noch wird am Innenleben des schlichten Fachwerkhauses mit den Nonnen- und Mönchsziegeln auf dem Dach gefeilt. Die Kapelle war lange geplant und ist Eller besonders wichtig, um zu zeigen, dass die wiedererweckte Zeit des Umbruchs, der Beginn des Christentums in Schleswig-Holsteins war, wie passend zum Pfingstfest, dass abstrakt für die Entsendung des Heiligen Geistes steht, konkret auch als Datum der Gründung der Kirche verstanden wird. Der Gottesdienst selbst wird vor der Kapelle unter freiem Himmel stattfinden und zwei Säuglinge wurden bereits für das nächste Pfingstfest als Täuflinge angemeldet. Lebendiger könnte ein Museum kaum sein.

Rennofenprojekt auf der Turmhügelburg

   

Text: Duisburg Civitas, www.duisburg-civitas.de

...oder wie man Eisen gewinnt - ein gemeinsames Projekt von Diusburg Civitas mit Unterstützung von Mitgliedern der Mallbuedels und des EMK von Andreas Klein

Eisen wurde schon vor mehr als 3.500 Jahren mittels Rennöfen erzeugt. Das Wort Rennofen stammt daher, dass bei der Eisenerzeugung rinnende Schlacke entsteht (rennen = rinnen). Rennöfen sind Schachtöfen mit einem Lehmmantel, die bis zu 50cm in den Boden eingelassen sind. Über Bodenniveau angebrachte Windlöcher dienten der Luftzufuhr. Diese kann auf natürlichem Wege (Wind) oder durch den Einsatz von Blasebälgen erfolgen. Die Öfen werden von oben im Wechsel mit einem Teil Eisenerz und mehreren Teilen Holzkohle beschickt. Als nutzbare Eisenerze standen im Mittelalter nur Erze zur Verfügung, welche im einfachen Tagebau abgebaut oder oberflächlich am Boden abgetragen werden konnten, wie Raseneisenstein, Limonit oder Bohnerz.
Beim Rennverfahren wird Eisenerz mit Holzkohle zu Metall reduziert. Mit den in den Rennöfen errreichten Temperaturen von 1.200 bis 1.300°C wurde das Eisen nicht geschmolzen. Der Schmelzpunkt von reinem Eisen liegt bei über 1.500°C, auch die Schmelzpunkterniedrigung durch den gelösten Kohlenstoff reicht nicht aus, um flüssiges Eisen zu erzielen. Als Folge von Beimengungen im Erz und der Reaktion mit der Ofenwand entsteht eine eisenreiche Schlacke, die ab ca. 1.200°C flüssig ist, und im untersten Bereich des Ofens abfließt. Das verbleibende Eisenerz wird durch das Kohlenmonoxid im Ofen zu elementarem Eisen reduziert. Als Resultat verbleibt ein schlackenhaltiger, oft schwammig-poröser Eisen- oder Weichstahlklumpen, die sogenannte Luppe im Ofen. Diese Luppe wird nach dem Prozeßende beim Abbruch des Ofens entnommen. Diese schwammige Luppe wird in späteren Arbeitsgängen noch mehrmals erhitzt und geschmiedet, um das Eisen von der Schlacke zu befreien. Das Rennfeuer-verfahren war bis zum ausgehenden Mittelalter die einzige in Europa bekannte Möglichleit, verarbeitbares Eisen herzustellen.
Soweit die Theorie, nun sollte das Ganze in der Praxis erprobt werden. Informationen habe ich auf verschiedenen Rennofenseite im WWW gesammelt. Was fehlte war der Platz. Die Verantwortlichen der Turmhügelburg Lütjenburg lösten mit ihrem Angebot, das Projekt während einer Burgbelebung anzugehen, dankenswerterweise das Problem. Lehm zum Ofenbau und Holzkohle wurde auch zur Verfügung gestellt, also stand dem Projekt nichts mehr im Weg. Als Erz sollte Walzenzunder zum Einsatz kommen. Der war für mich leicht zu beschaffen und ist, laut verschiedenen Rennofenforen, gut geeignet. Nach einem Bauplan aus dem Internet wurde nun ein Blasebalg gebaut. Leider erwies sich dieser Blasebalg als nur bedingt tauglich. Zum einen war die Leistung des Lufteinlasses nur unzureichend, was sich auf die Schnelle nur durch die Herstellung eines neuen Ventlleders aus weicherem Material lösen ließ. Und zum anderen saugte der Blasebalg beim Füllen auch Heißluft aus dem Ofen an, sodass ein Brandschaden drohte. Das hatte zur Folge, dass 2 Mann den Balg bedienen mussten. Einer zum Pumpen und einer, der im richtigen Augenblick die Luftzufuhr aus dem Ofen durch zusammendrücken der Auslasstülle unterband Der Rennofen selber wurde in 3,5 Std. errichtet: Um ein rudimentäres Weidengeflecht wurde eine 10-15cm dicke Schicht aus einem Gemisch von Lehm und Pferdemist gelegt. Der Ofen hatte einen Innendurchmesser von 30 - 40cm, eine Höhe von etwa 1m und war 20cm in der Erde versenkt. Nachdem das Düsenloch eingebracht wurde hatte der Ofen drei Tage Zeit zu trocknen. Während der Lufttrocknung zeigten sich einige Risse, die aber die Funktion des Ofens nicht einschränkten. Luftdüsen habe ich aus Lehm geformt und luftgetrocknet. Ich habe aus Zeitgründen (wir hatten noch vor zu färben) auf das Brennen der Düsen verzichtet, was aber auch nicht nötig war, die luftgetrockneten Düsen erfüllten ihre Aufgabe einwandfrei.
Nach drei Tagen wurde im Ofen ein Holzfeuer entzündet und 3 -4 Std. betrieben. So konnte der Ofen endgültig durchtrocknen. Am nächsten Tag war es dann soweit. Glut war im Ofen vom Vorabend noch erhalten, er musste also nur mit trockenem Holz befüllt und angeblasen werden. Dazu wurde eine Luftdüse eingesetzt und mit frischem Lehm fixiert. An die Düse wurde der Blasebalg angeschlossen und es konnte losgehen. Nach der Zugabe von Holzkohle und 15minütigem pumpen hatte es im Ofen eine ordentliche Glut. Zeit die Feueröffnung zu schließen und mit dem Einfüllen des Erzes zu beginnen. Den Walzenzunder habe ich im Verhältnis 4:1 mit Sand gemischt, um einen Schlackebildner miteinzubringen. Das Erz/Sandgemisch kam dann von oben in den Ofen, immer 1 Handvoll Erz/Sand und 2 -3 Handvoll Holzkohle im Abstand von 10-15 min Eine kleine Öffnung haben wir zu Anfang gelassen. Die Idee war, erkennen zu können ob und wann die Schlacke abfließt. Es stellte sich aber heraus, dass dadurch der Ofen nicht richtig auf Temperatur kam, sodass nach 4 Stunden auch diese letzte Öffnung geschlossen wurde. Nach weiteren 5 Stunden, mittlerweile ging es auf Mitternacht zu, waren ca 15-18kg Erz/Sandgemisch und die entsprechende Menge Holzkohle im Ofen verschwunden. Wir beschlossen Schluss zu machen. Der Ofen wurde zum Abschluss bis fast unter den Rand mit Holzkohle gefüllt und solange betrieben, bis die Kohle knapp über Düsenniveau heruntergebrannt war. Dann öffneten wir den Ofen. Ein kleines Schlackerinnsal war zu erkennen aber eben nicht mehr.
Eigentlich wollte wir den Ofen erst am nächsten Tag einreissen aber da sehr wenig Schlacke auslief, hatten wir Sorge, dass wir am Morgen einen festen Klumpen aus Schlacke, Luppe und Restkohle im Ofen vorfinden würden der mühsam auseinander geschlagen werden muss. So begannen die Abbrucharbeiten. Das Ofeninnere war gelbglühend und man konnte bei der Dunkelheit nicht wirklich was unterscheiden. So wurde alles auseinander gezogen und der Feierabend eingeläutet. Am nächsten Morgen dann der erste Gang zum Ofen. Wir fanden Eisenluppe (4-5kg) und etwa die gleiche Menge eisenhaltige Schlacke, die in grossen Klumpen vorlag. Die Magnetprüfung am Nachmittag ergab, dass die Schlackeklumpen teilweise sehr stark magnetisch waren, an anderen Stellen aber schwach reagierten. Meine Theorie ist nun, dass wir etwas zu früh Schluss gemacht haben. Die Schlackeverflüssigung begann gerade, als wir den Ofen öffneten. Der Grossteil blieb aber in einem breiigen Zustand. Die Ausbeute an Luppe hätte also grösser sein können, wenn wir noch eine Weile weiter gemacht hätten. Nichts desto Trotz werte ich das Projekt Rennofen als Erfolg: Wir haben Luppe hergestellt und viel wichtiger, eine Menge gelernt.

Wo geht's bitte zur Varusschlacht?

Kieler Nachrichten , 18.Mai 2009

Zur Verwunderung vieler Lütjenburger zogen am Sonnabend diese illustren Herren durch die Innenstadt von Lütjenburg. Oft mussten sie ihren Übungsmarsch zurück zur Turmhügelburg unterbrechen, um Passanten ihren außergewöhnlichen Auftritt mit Schwert, Schild und Brustpanzer zu erklären. Die Vier, die aus Hamburg, Cuxhafen, Scharbeutz und Polen stammen, befassen sich in ihrer Freizeit mit der Geschichte des römischen Kaiserreichs und repräsentieren eine Sondereinheit der „21. Legion Rapax", die im ersten Jahrhundert nach Christi existiert hat. Größtenteils nach Originalvorlagen fertigen sie ihre Ausrüstungsgegenstände selbst und versuchen, auf museumspädagogischer Grundlage, „Geschichte zum Anfassen" zu bieten und Kenntnisse über das Leben der Römer vor 2000 Jahren zu vermitteln. Jedes Jahr treffen sie sich deshalb mit Gleichgesinnten zu einem Trainingslager auf dem Gelände der Turmhügelburg im Lütjenburger Nienthal.

„Das ist Handwerkskunst vom Allerfeinsten"

Lütjenburger Rundblick, 06. April 2009

Die neue Kapelle der Turmhügelburg feiert Richtfest

Pünktlich zum Frühlingsbeginn wurde in der Turmhügelburg Richtfest gefeiert: Aus 23 Kubikmetern Eichenholz wurde in Ständerbauweise die neue Kapelle errichtet. Die Vorarbeiten dauerten etwa vier Wochen und wurden von der inzwischen mittelalterlich erprobten Zimmerei Schwalbe in Preetz ausgeführt: In Handarbeit und mit historischen Werkzeugen wurden die Holzbalken von Zimmerleuten gedrechselt. Hartmut Eller, Vorsitzender des Fördervereins der Turmhügelburg, bedankte sich bei den Zimmerleuten: „Das ist Handwerkskunst vom Allerfeinsten!" In den nächsten Wochen soll die Kapelle fertig gestellt werden. Verwendet werden dazu laut Klaus Dygutsch, dem zuständigen Baumeister, gebackene Lehmsteine und zur Dachabdeckung Mönch-und Nonnenziegel, damit auch alles authentisch wird. Denn schließlich nimmt die Turmhügelburg für sich in Anspruch, nach Möglichkeit so zu bauen, wie man es im Mittelalter getan hat. Seit 2003 liefen die Planungen für da: Gotteshaus.
Mitte Mai etwa soll die Kapelle mit einem feierlichen Gottesdienst eingeweiht werden und dann auch für Zeremonien wie Taufen und Trauungen zur Verfügung stehen. Und noch ein weiteres Highlight ist für Mai geplant, verrät Jörg Wilhelmy, Pressesprecher der Turmhügelburgfreunde: „Wir wollen auf dem Gelände einen Film drehen über das Leben auf solch einer mittelalterlichen Burganlage."

Turmhügelburg Lütjenburg kurz vor der Fertigstellung

Karfunkel, April 2009

Schleswig-Holsteins Mittelalterzentrum lädt ein – jetzt auch Gruppenbesuche möglich!

Das Mittelalterzentrum Schleswig-Holstein rund um die Turmhügelburg im Lütjenburger Nienthal nähert sich seiner Vollendung. Die rekonstruierte Burganlage aus der Zeit des 13. Jh. steht ab diesem Jahr ernsthaften Mittelaltergruppen auch für einen längeren Besuch mit Übernachtung offen. Am Anfang stand die „verrückte Idee“ einiger Einzelpersonen, die sich fragten, wie wohl eine der rund elf belegbaren Turmhügelburgen der Region rund um Lütjenburg aus der Mitte des 13. Jh. ausgesehen haben könnte. Reste von Ringwällen und auch von Turmhügeln gab es viele, und mit dem großen und kleinen Schlichtenberg bei Futterkamp ganz in der Nähe auch ein Objekt, das Mitte der 70er Jahre wissenschaftlich erforscht und ausgegraben worden ist.
Mit Mitteln der Arbeitsverwaltung und Geldern der EU wurde aus der Idee dann ein ABM Projekt, begleitet von Fachleuten des Archäologischen Landesamtes Schleswig-Holstein. Am Rande eines eiszeitlich geprägten Landschaftsschutzgebietes, mitten auf der Feuchtwiese neben einem kleinen Bach, begannen 2002 die Arbeiten zum Bau einer hölzernen Turmhügelburg. Gut ein Jahr später stand der Holzturm auf einem kleinen Hügel, umgeben von einem Burggraben, durch den nun der Bach floß. Vor der Burg lag der fast 90 m lange – noch leere – Rundwall mit Palisade. In den folgenden Jahren entstand dann dank der unermüdlichen ehrenamtlichen Arbeit des Trägervereins ein Gebäude nach dem anderen. In der Burg selbst wurde nach Ausgrabungsergebnissen ein Wohn-/Stallgebäude aus der Zeit von 1150 gebaut. Gleich daneben steht heute die Rekonstruktion einer mittelalterlichen Schmiede. Gegenüber wurde das Wohnhaus des Ritters errichtet. Vorbild dafür waren Ausgrabungsergebnisse (auf dem großen Schlichtenberg bei Futterkamp) eines Wohngebäudes mit einer Fußbodenheizung von 1260. Ergänzt wurde das Wallgelände durch das große Wirtschaftsgebäude, wie es zum Ausgang des Mittelalters beschrieben wurde. Vor dem Turm entstand ein etwa 5 m tiefer Brunnen. Ebenfalls noch in der Burganlage steht seit dem Frühjahr 2008 der kleine, mit Reet gedeckte Kornspeicher. Das Backhaus mit dem historischen Backofen musste aus Feuerschutzgründen außerhalb der Burganlage gebaut werden.
Abgeschlossen werden die Bauarbeiten in diesen Tagen mit einer Kapelle, einer Zeidlerei und einem großen Burgtor. Das Besondere der gesamten Anlage ist, dass alle Holzarbeiten weitgehend per Hand erledigt wurden. Es wurden nur Holz- oder handgeschmiedete Nägel verwendet. Im mittlerweile mit Bäumen und Sträuchern aufgelockerten Außenbereich wurden zudem vom Verein eine Reitbahn und ein Turnierplatz errichtet.
Ziel des Vereins ist es nun, die Anlage mit Leben zu füllen. Dreimal jährlich lädt der Verein zu Lagern und Märkten an die Burg. Darüber hinaus können gewandete Gruppen einige – zum Teil schon eingerichtete – Häuser der Anlage bewohnen und die Möglichkeiten dort für einen längeren Aufenthalt nutzen.

Das Mittelalter liegt direkt vor der Tür

Lütjenburger Rundblick, 25.März 2009

Mit einem Vortrag in „Uns Huus“ baute der Förderverein Turmhügelburg eine tolle Brücke zwischen den vergangenen Tagen des skandinavischen Emporiums der Wikingerzeit, Haithabu bei Schleswig, und der neuen Turmhügelburg im Lütjenburger Nienthal, der bekannten authentischen Rekonstruktion einer mittelalterlichen Burganlage.
Immer wieder lädt der Verein mit Hartmut Eller, dem 1. Vorsitzenden, ein bei Veranstaltungen ins Mittealter einzutauchen und sich von den vielen Gebäuden wie Schmiede, Gesindehaus, Ritterhaus und Wirtschaftsgebäude und historischen Aktivitäten faszinieren zu lassen.
Volker Hilbert aus dem archäologischen Landesmuseum Schloss Gottorf nahm die Freunde der Lütjenburger Anlage mit auf eine spannende Reise zu den Wikingern in Haithabu. Haithabu lebte in der Zeit von 800 bis 1100 vom Seehandel, auf einer Fläche von 25 Hektar herrschte ein reges Leben, das bereits seit Ende des 19. Jahrhunderts das Interesse von Archäologen fand und bereits 1900 zu ersten Ausgrabungen im Siedlungskomplex führte. Bilder der Ausgrabungen aus der Zeit von 1930 bis 1935 wurden erläutert und die systematischen Oberflächenbegehungen erklärt.
Die damalige dichte Besiedlung war auffällig, das wird auch mit den 11500 Funden unterstrichen, die bisher dokumentiert wurden. Allein 341 Münzen wurden entdeckt. Es gibt Schmuckfunde aus karolingischer Zeit und der germanischen Eisenzeit. Erstmalig wir Haithabu 804 erwähnt und sogar ein Bleisiegel aus dem 9. Jahrhundert wurde entdeckt. Der Nachweis von Handel und Handwerk ist intensiv. So kam 1979/80 bei einer Hafengrabung ein Langschiff zum Vorschein. Heute gibt es attraktive Rekonstruktionen, die in die Wikingerzeit führen. Mit dem „Wikinger Lager“ am 10. bis 11. Mai, der „Mittelalterey“ am 12. und 13. Juli und dem „Lütjenburger Aufbruch“ vom 5. bis 7. September wird das spannende Erleben der Geschichte auch in Nienthal deutlich.
Haithabu war von einem Schutzwall umgeben, während die Turmhügelburg, wie die deutschen Burgen, von einem Wassergraben umgeben ist. Gespannt lauschten die Gäste den Ausführungen, die Vortragsreihe setzt sich fort. Ein neues Schmuckstück wird in Nienthal zur Zeit errichtet, das Ständerbauwerk einer Kapelle ist bereits fertig. „Das wird alles schlagen, was bisher da draußen steht“, mit diesen Worten machte Hartmut Eller noch einmal auf die neue Saison neugierig.

Stolze 23 Kubikmeter Eichenholz verarbeitet

Kieler Nachrichten, 23.März 2009

Das Burgengelände der Turmhügelburg im Nienthal ist in wenigen Wochen um ein historisches Bauwerk reicher. Die authentische Rekonstruktion einer mittelalterlichen Kapelle wurde jetzt gerichtet.
Das Vorbild steht rund hundert Kilometer entfernt in Fuhlenhagen im Herzogtum Lauenburg. Dort hat sich Planer und Baumeister Klaus Dygutsch vom Förderverein der Turmhügelburg von der ursprünglichen Form einer zwischen 1320 und 1325 errichteten Kapelle inspirieren lassen. Für die Rekonstruktion an der Turmhügeiburg plante er einen gut 38 Quadratmeter großen Fachwerkbau aus Eichenholz und Backsteinen.
Damit der historische Bau authentisch wird, hat die Firma Schwalbe aus Preetz in vier Wochen etwa 23 Kubikmeter Eichenholz mit der Dechsel nach mittelalterlicher Baukunst bearbeitet. Zwei Tage dauerte das Aufrichten des wuchtigen Fachwerkes und des Dachstuhls.Mit der Fertigstellung der Kapelle rechnet Baumeister Dygutsch in wenigen Wochen. Mitte Mai soll sie eingeweiht werden. Rund 110 000 Euro kostet das Bauwerk im Nienthal.
Fördermittel gibt es von der EU, die 40 Prozent der Baukosten übernimmt. Die restliche Summe finanziert der Förderverein über Spenden und Mitgliedsbeiträge.

Kapelle kommt dazu

Kieler Nachrichten, 31.Januar 2009

Burganlage wird um eine Attraktion reicher

Die Rekonstruktion einer mittelalterlichen Burganlage im Lütjenburger Nienthal wird noch in diesem Frühjahr um eine weitere Attraktion reicher: Das Gelände wird durch eine Kapelle vervollständigt. Die Weihe wird Bischof Gerhard Ulrich vornehmen.

„Burgherr“ Hartmut Eller als Vorsitzender des Fördervereins und Auftraggeber sowie sein Vorstandskollege und „Baumeister“ Klaus Dygutsch sind zuversichtlich, den nach historischem Vorbild geplanten Ständerbau mit Fachwerkkonstruktion rechtzeitig auf das schon fertige Fundament setzen zu können. „Der schlichte Bau mit einer Grundfläche von 5,40 x 6,70 Metern und einer Höhe von drei Metern wurde natürlich nach Osten ausgerichtet“, berichtete Klaus Dygutsch. Neben einem schlichten Holzkreuz soll in der Kapelle auch eine Jahrhunderte alte Grabplatte, die noch im Keller der Giekauer St. Johannes Kirche lagert, als Leihgabe aufgestellt werden. Zur Weihe des Gotteshauses, in dem zukünftig auch Trauungen und andere kirchliche Handlungen vorgenommen werden können, soll eine extra für die Zeremonie komponierter Weihemesse auf alten Instrumenten gespielt werden.
Zu den Baumaßnahmen, die der Förderverein „Freunde der mittelalterlichen Burg“ noch 2009 realisieren möchten, gehören auch noch drei weitere Projekte. So sollen ein stabiles Burgtor aufgestellt, eine Brücke über den Bach „Lütt Elv“ zum Backhaus gebaut und eine „Zeidlerei“ (ein Bienenhaus für einen Imker) errichtet werden.
Hartmut Eller denkt aber auch schon über den Jahreswechsel hinaus. Auf seiner Wunschliste hat der Vorsitzende des mittlerweile 290 Mitglieder zählenden Vereins noch den Bau einer Taverne, um künftig Besuchern typische Gerichte und Getränke kredenzen zu können. Außerdem haben sich gezeigt, dass die Kapazitäten des neuen Sanitärhauses bei Großveranstaltungen nicht ausreichten. „Wir werden für eine Erweiterung im Dachgeschoss sorgen.“
Für die Realisierung der geplanten Baumaßnahmen muss der Verein wieder „betteln gehen“. Obwohl weiterhin Zuschüsse der EU und des Kreises Plön (der Verein hofft noch auf eine Verdoppelung der Förderung von 10000 Euro) sowie der Stadt (5000 Euro) in den Vereinssäckel fließen, müssen Eigenmittel selbst aufgebracht werden. Willkommen seien deshalb weitere Spenden wie schon von der Marius-Böger-Stiftung und der Baufirma Schwalbe sowie Privatleuten, warb der Vorsitzende um Unterstützung. „Uns fehlen noch rund 30000 Euro, die wir alleine durch Veranstaltungen und Mitgliedsbeiträge nicht abdecken können.“

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